Gamification in der Arbeitswelt: Drei einfache Methoden zur spielerischen Gestaltung von Workshops.

„In jedem Manne steckt ein Kind“ – wird uns Männern oft leicht hämisch vorgeworfen, wenn wir wieder mal spielerisch an eine bestimmte Herausforderung herangehen. Gendersensibel wie ich bin, behaupte ich: „In jedem Erwachsenen steckt ein Kind!“ Und es ist gut, dass wir im Laufe unseres Lebens die Liebe zum Spiel – zumindest nicht ganz – ablegen. Denn: spielerisch lernen wir. Der Ansatz der Gamification im Unterricht trägt dieser Erkenntnis Rechnung – und wird immer beliebter. Wenn Gamification im Unterricht also so gut funktioniert, warum dann nicht auch in der Arbeitswelt, dachte ich mir und bin dabei auf drei spielerische Methoden gestoßen, die aus meiner Sicht besonders für den Einsatz in Workshops geeignet sind.

1. Das Einfühldiagramm

Zu oft verharren wir – nicht nur in der Arbeit – in unserer eigenen Gedanken- und Wertewelt. Ein Perspektivenwechsel könnte dabei das gegenseitige Verständnis fördern, Horizonte erweitern und uns öffnen für die Ideen der anderen. Das ist vor allem beim Einstieg in einen Workshop ganz wichtig. Das Einfühldiagramm hilft uns dabei:

  1. Die Workshopleitung erstellt mit der Gruppe eine Studie über eine Person, die alle TeilnehmerInnen kennen. Sie zeichnet zunächst einen großen Kreis, in dem genug Platz zum Schreiben ist und versieht ihn mit Augen und Ohren, sodass er ein großer „Kopf“ wird.
  2. Die TeilnehmerInnen geben dieser „Person“ einen Namen.
  3. Die Workshopleitung schafft um den Kopf herum mehrere Bereiche, die Sie mit „Denken“, „Sehen“, „Hören“ und „Fühlen“ beschriftet.
  4. Die TeilnehmerInnen beschreiben nun aus der Sicht dieser Person, wie sie ihre Welt wahrnimmt und was sie erlebt – und zwar Bereich für Bereich von „Sehen“ bis „Fühlen“.

Zweck dieser Übung ist laut ihrem Entwickler Scott Matthews von XPLANE die Erstellung von „Kundenprofilen“. in einem Workshop kann diese Übung aber auch einfach dazu dienen, dass sich die Teilnehmer in eine Person einfühlen und ein gewisses Maß an Identifikation mit ihr erreichen. Die Gruppe soll eine Vorstellung davon gewinnen, was die Person will, was sie motiviert und was man für sie tun kann.

2. Punktabstimmung

Die PunktabstimmungDas kennen Sie auch: In einem Brainstorming kommen sehr viele Ideen. Zu viele. Prinzipiell gut, wenn Sie und Ihre KollegInnen so kreativ sind, aber nicht alles lässt sich umsetzen. Die Punktabstimmung ist eine einfache Methode, um Ideen zu priorisieren bzw. sich auf einige Ideen aus einer ganzen Sammlung zu einigen:

  1. Die Workshopleitung schreibt die gesammelten Ideen auf ein Flipchart.
  2. Die TeilnehmerInnen stimmen ab, indem sie neben den Einträgen, die sie am wichtigsten finden, einen Punkt machen. Dafür kann man Aufkleber oder auch dicke Stifte verwenden. Fünf Stimmen pro Person sind ein guter Richtwert. Die Teilnehmer geben alle ihre Stimmen gleichzeitig ab und können auch mehrfach für etwas abstimmen, wenn sie es sehr wichtig finden.
  3. Sind alle Stimmen abgegeben, werden sie ausgezählt.

3. Plus/Delta

Jeder gute Workshop beinhaltet eine Feedbackrunde am Ende. Die Feedback-Methode Plus/Delta lässt sich auf jede beliebige Aktivität anwenden, auf jedes Konzept, jedes Produkt und jede Maßnahme.

  1. Die Workshopleitung erstellt zwei Spalten, eine für „Plus“ und eine für „Delta“, das griechische Symbol für Veränderung.
  2. Die TeilnehmerInnen denken darüber nach, was an einer bestimmten Aktivität positiv oder wiederholenswert war. Die Workshopleitung hält die Beiträge der TeilnehmerInnen in der Plus-Spalte fest.
  3. Dann überlegt die Gruppe, was sie anders machen würde. Die Workshopleitung notiert dies in der Delta-Spalte.

Durch die Formulierung dessen, was man ändern kann, und nicht dessen, was schief gelaufen ist, fällt es TeilnehmerInnen leichter, ihre ehrliche Einschätzung zu geben. Und dabei liefern sie auch noch Ideen für mögliche Verbesserungen.

Alle vorgestellten Methoden und Abbildungen stammen aus aus dem Buch „Gamestorming: Ein Praxisbuch für Querdenker, Moderatoren und Innovatoren“ von Dave Gray, Sunni Brown & James Macanufo.